Vor der Sommerhitze ist man auch nicht immer am Arbeitsplatz sicher. Auch hier sind vor allem Arbeitnehmer den extremen Temperaturen ausgesetzt und sollten vor ihnen gewarnt und geschützt werden.
Was Arbeitgeber konkret dafür tun können, steht im folgenden Artikel.
Sommerhitze am Arbeitsplatz – Mögliche Gefahren
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) starben 2023 und 2024 zusammen 6.200 Menschen im Zusammenhang mit Hitze. Dabei sind vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet. Bei zu extremer Belastung durch Hitze können verschiedene akute Erkrankungen auftreten, die auch unter Umständen tödlich sein können. So erhöht harmlos aussehender Sonnenbrand das Risiko an Hautkrebs zu erkranken.
Bei hohen Temperaturen verliert der Körper durch vermehrtes Schwitzen große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten. Wird dieser Verlust nicht ausreichend durch Trinken ausgeglichen, kann es schnell zu einer Dehydratation (Austrocknung) kommen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, da ihr Durstempfinden oft vermindert ist sowie Kinder und Pflegebedürftige, die nicht eigenständig trinken können. Erste Anzeichen einer Dehydratation sind trockene Schleimhäute, dunkler Urin, Schwindel, Schwäche und Verwirrtheit. In schweren Fällen kann es zu Kreislaufversagen oder Nierenschäden kommen.
Beim Sonnenstich kommt es durch zu lange Belastung des Körpers zur Überwärmung und die Betroffenen bekommen typischerweise Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, ihnen wird übel und sie müssen sich gegebenenfalls übergeben. Die extreme Form ist der Hitzschlag, bei dem es sich um einen medizinischen Notfall handelt. Der Körper kann sich dabei auf bis zu über 40 Grad Celsius aufheizen, wodurch auch der Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen wird.
Zusätzliche Faktoren in der Pflege
Der Pflegeberuf ist zusätzlich fordernd bei Hitze, da er eine hohe körperliche Belastung erfordert. Pflegefachkräfte sind fast den ganzen Tag auf den Beinen und haben so weniger Möglichkeit, in Ruhe ihre Körpertemperatur zu senken. Ebenfalls fordert eine Isolationspflege, die nicht selten notwendig wird, das zusätzliche Tragen von Kitteln, Handschuhen, Masken und eventuell sogar von Ganzkörperanzügen. Diese zusätzlichen Schichten wirken bei extremer Hitze auch wärmeisolierend, was dem Körper eine extreme Belastung abverlangt.
Sommerhitze am Arbeitsplatz – Rechtliche Lage
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Hitze am Arbeitsplatz sind im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) festgelegt. Dort steht auch, ab welchen Temperaturen Maßnahmen nur empfohlen oder auch verpflichtend sind. Ein Verstoß kann hierbei mit einem Bußgeld bis zu 30.000 Euro geahndet werden.
Ab einer Raumtemperatur von 26 Grad Celsius sollten Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Dabei handelt es sich um eine Empfehlung. Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius im Raum muss der Arbeitgeber tätig werden. Wenn der Arbeitsplatz über 35 Grad Celsius heiß wird, ist er nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Ab diesen Temperaturen müssen technische Hilfen oder Schutzkleidung zur Verfügung gestellt werden. Wichtig ist, dass es sich bei den angegeben Temperaturen um die gemessene Raumtemperatur handelt.
Ein weitere wichtiger Punkt ist es darauf zu achten, inwiefern besonders gefährdete Personengruppen von der Hitze betroffen sind. So zum Beispiel Schwangere, Stillende oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Auch ältere Mitarbeiter sollten in besonderer Weise vor den extremen Temperaturen geschützt werden.
Sommerhitze am Arbeitsplatz – Das können Arbeitgeber tun
Um das Personal vor den extremen Temperaturen im Sommer zu schützen, bieten sich eine Vielzahl von Maßnahmen an. Diese reichen von einfachen Dingen wie Wasser und Lüften bis zu komplexeren, aufwändigeren technischen Maßnahmen. Um aber überhaupt Maßnahmen rechtzeitig ergreifen zu können, sollte sich der Arbeitgeber im Vorhinein informieren, wann es wie heiß werden soll.
Wasser
Das Bereitstellen von größeren Mengen an Wasser am Arbeitsplatz ist eine sehr sinnvolle Maßnahme, um Komplikationen durch die Hitze entgegen zu wirken. Es sollte auch ans Trinken erinnert werden, zum Beispiel durch Schilder oder dass im Team regelmäßig ans Trinken erinnert wird.
Auffällige Trinkstationen, an denen kostenlos Wasser zur Verfügung gestellt wird, können auch dabei helfen, die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter ab und zu auf das regelmäßige Trinken zu lenken.
Lüften
Das Lüften ist vor allem früh morgens und spät abends sinnvoll, wenn sich die Temperaturen wieder erholt haben und es draußen kälter als drinnen ist. Ansonsten sollten während den Hitzewellen die Fenster verschlossen bleiben und durch Rollläden oder Sonstiges verschattet sein.
Schichten und Pausen
Optimalerweise können die Dienstpläne so angepasst werden, dass Hitzespitzen zu den heißesten Uhrzeiten vermieden werden. Natürlich ist das gerade in der Pflege nicht immer umsetzbar. Jedoch sollten Pausen ausgeweitet und zusätzlich kleinere Pausen eingerichtet werden, gerade Trinkpausen sind wichtig.
Ein Schichtwechsel kann einfacher gestaltet werden, damit gerade vulnerablen Mitarbeiter eine flexiblere Planung in diesen heißen Tagen ermöglicht wird.
Technische Maßnahmen
Ventilatoren in den Aufenthaltsräumen und Büros können die Luft in den Zimmern angenehmer machen. Klimaanlagen sind dabei sogar noch effektiver. Gerade an schwülen Tagen können Luftentfeuchter dazu beitragen, das Raumklima deutlich zu verbessern. Es gibt auch UV-Schutzfolien für Fenster, die eine Wärmeeinstrahlung minimieren.
Weitere Maßnahmen
Arbeitgeber können auch darüber nachdenken, Sonnenschutz gratis zur Verfügung zu stellen. Gerade wenn das Personal draußen arbeitet – auch wenn es nur für kurze Zeit ist – hilft er, die Haut zu schützen. Sonnenschirme können dort aufgestellt werden, wo sich das Personal draußen aufhält. Zusätzlich ist es ratsam, eine Kopfbedeckung im Freien zu tragen, um das Risiko für einen Sonnenstich oder gar Hitzschlag zu minimieren.
Alle diese Maßnahmen helfen natürlich relativ wenig, sollten sich die Mitarbeiter nicht an die Angebote halten oder sie nicht annehmen. Deshalb kann es ratsam sein, eine Schulung für das Personal anzubieten und ihnen zu zeigen, was sie bei der Sommerhitze tun können und welche Maßnahmen ihr Arbeitgeber für sie ergreift. Es ist wichtig, auf eine gute Kommunikation zu setzen und seine Wertschätzung für die Mitarbeitenden zu zeigen. Dazu können auch kleine Aufmerksamkeiten, wie Eis oder gekühltes Obst, beitragen.
Hitzeschutz für Patienten
In den Sommermonaten stellt hohe Hitze eine ernstzunehmende gesundheitliche Belastung für Patienten in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern dar – insbesondere für ältere, chronisch kranke oder bettlägerige Menschen. Daher ist es essenziell, gezielte Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um die körperliche Belastung durch Hitze zu minimieren und Komplikationen wie Dehydrierung, Kreislaufprobleme oder Hitzschlag vorzubeugen.
Ein zentraler Aspekt ist die Anpassung der Raumverhältnisse. Patientenzimmer und Aufenthaltsbereiche sollten so gestaltet werden, dass sie möglichst kühl bleiben. Ideal ist die Nutzung von Klimaanlagen, sei es zentral oder über mobile Geräte. Darüber hinaus sollte auf effektiven Sonnenschutz an Fenstern geachtet werden, etwa durch außenliegende Rollos, Markisen oder Hitzeschutzfolien. Lüften sollte idealerweise in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden erfolgen, wenn die Außentemperaturen niedriger sind.
Ein weiterer, besonders wichtiger Bereich ist die Sicherstellung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr. Viele ältere oder erkrankte Personen verspüren kein ausgeprägtes Durstgefühl, sodass Pflegekräfte aktiv ans Trinken erinnern und die Flüssigkeitsaufnahme dokumentieren müssen. Es empfiehlt sich, Getränke leicht erreichbar bereitzustellen.
Körperpflege und Bekleidung sollten an die sommerlichen Bedingungen angepasst werden. Patienten sollten möglichst luftige, leichte Kleidung aus atmungsaktiven Materialien wie Baumwolle oder Leinen tragen. Auch die Bettwäsche sollte aus kühlen Stoffen bestehen. Zusätzlich kann das Waschangebot angepasst werden, etwa durch häufigeres Waschen mit lauwarmem Wasser oder kurze Duschen, sofern der gesundheitliche Zustand dies erlaubt.
Schließlich ist es von großer Bedeutung, besonders gefährdete Personen engmaschig zu beobachten. Das Pflegepersonal sollte Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, trockene Haut oder verminderten Urinausstoß ernst nehmen, da sie frühe Anzeichen von Hitzeschäden sein können.
- Gesundheitsrisiko Hitze, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/... (Abrufdatum: 12.06.2025)
- Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/... (Abrufdatum: 13.06.2025)








