Arzthelferin

Arzthelfer/in – Ausbildung, Beruf, Gehalt

Genau genommen gibt es den Beruf Arzthelfer seit August 2006 nicht mehr. Die Berufsbezeichnung wurde durch den Begriff Medizinischer Fachangestellter ersetzt, weil der Beruf komplexer, vielseitiger und technisch anspruchsvoller wurde. Dabei sind Arzthelfer heute wie eh und je in jeder Praxis unersetzlich. Sie übernehmen die Betreuung der Patienten vom Empfang in der Praxis über die Behandlung bis hin zur Nachbereitung.

Wie man Arzthelfer werden kann, was den Berufsalltag ausmacht und welches Gehalt üblich ist, zeigt der nachfolgende Überblick.

Inhalt

Ausbildung Arzthelfer – Voraussetzungen, Inhalt, Dauer

Wer Arzthelfer werden möchte, muss keinen bestimmten Schulabschluss mitbringen, denn rechtlich ist für die duale Ausbildung als Medizinischer Fachangestellter (MFA) keine konkrete Vorbildung vorgeschrieben. Der Großteil der meist weiblichen Azubis besitzt den Realschulabschluss, 17 Prozent haben einen Hauptschulabschluss oder keinen Schulabschluss und weitere 19 Prozent haben Abitur. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird parallel im Betrieb und in der Berufsschule absolviert. Arztpraxen unterschiedlicher Fachgebiete mit Ausnahme von Zahnärzten, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Labore und Krankenhäuser bieten die Ausbildung an.

Als Voraussetzung gilt die gesundheitliche Eignung für den Beruf, die durch ein ärztliches Attest belegt werden muss. Essenziell sind auch ausgeprägte Sozialkompetenzen. MFA brauchen Empathie, Organisationstalent und ein gutes Gespür für die richtigen Worte im rechten Moment. Denn in vielen Arztpraxen kommt immer wieder vor, dass Patienten ihre Beschwerden nicht richtig ausdrücken können, starke Angst vor der Untersuchung haben oder sich über die Wartezeiten aufregen. Als Arzthelfer muss man in jeder Situation den richtigen Ton anschlagen.

Die Ausbildungsinhalte sind bundesweit einheitlich und über die Ausbildungsordnung und den Rahmenlehrplan vorgegeben. In der Berufsschule wird das allgemeine medizinische Grundwissen als MFA vermittelt. Zusätzlich werden allgemeinbildende Fächer wie Deutsch sowie Wirtschafts- und Sozialkunde gelehrt. Im betrieblichen Teil trainieren Azubis den Umgang mit Patienten in unterschiedlichen Situationen, das Koordinieren von Terminen, das Schreiben von Berichten, das Führen von Patientenakten sowie das Erledigen der Abrechnung. Hygienemaßnahmen und die richtige Lagerung von Arzneimitteln, Impfstoffen und medizinischen Hilfsmitteln werden ebenfalls eingeübt. Darüber hinaus erwirbt man als angehender Arzthelfer zahlreiche medizinische Kompetenzen, man lernt, Blut abzunehmen, Spritzen zu setzen, Infektionskrankheiten zu erkennen, Wunden zu versorgen, unterschiedliche Verbände anzulegen und bei ärztlichen Maßnahmen zu assistieren. Weitere Spezialkenntnisse können hinzukommen, etwa bei der Ausbildung als Arzthelfer in der Augenheilkunde.

Insgesamt ist die Ausbildung anspruchsvoll, knapp ein Viertel aller Azubis bricht vorzeitig ab. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres gibt es eine Zwischenprüfung. Am Schluss der Ausbildung steht eine Abschlussprüfung, die aus einem praktischen und einem schriftlichen Prüfungsteil besteht. Nach bestandener Abschlussprüfung kann man offiziell als Medizinischer Fachangestellter in Arztpraxen verschiedenster Fachrichtungen arbeiten. Mit Ausnahme der Zahnheilkunde, da es für diesen Fachbereich eine gesonderte Ausbildung gibt (Zahnmedizinischer Fachangestellter).

Arzthelfer Ausbildung Gehalt

Während der Ausbildung als Arzthelfer wird ein Gehalt gezahlt, dessen Höhe über einen Tarifvertrag bundesweit einheitlich geregelt ist. Die monatliche Ausbildungsvergütung beträgt seit dem 01.04.2019

Ausbildungsjahr Gehalt (Brutto Monat)
1. Ausbildungsjahr 865 Euro
2. Ausbildungsjahr 910 Euro
3. Ausbildungsjahr 960 Euro

Der Beruf Arzthelfer – Tätigkeiten und Alltag

Arzthelfer ist ein klassischer Frauenberuf. Der Männeranteil liegt bei rund 10 Prozent. 90 Prozent aller MFA arbeiten in Praxen niedergelassener Ärzte, zehn Prozent sind in Kliniken beschäftigt. Aber auch Labore und Gesundheitsämter sind mögliche Arbeitgeber. Wie der Arbeitsalltag gestaltet ist, hängt vom Fachbereich und der Größe der Praxis ab. Vor allem in kleinen Praxen kann der Berufsalltag abwechslungsreich sein. Dann übernimmt man als Arzthelfer zahlreiche Aufgaben, betreut die Patienten, setzt Impfungen und andere Spritzen, wechselt Verbände und assistiert bei Untersuchungen und kleineren Eingriffen. Anschließend erledigt man diverse Verwaltungsarbeiten inklusive der Abrechnung mit den Krankenkassen.

In einigen Fachbereichen gehört der Umgang mit technischen Geräten zum Alltag. Die Zusammenarbeit mit dem Arzt oder der Ärztin ist eng. In größeren Praxen, insbesondere in Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren ist eine stärkere Aufgabenteilung üblich und eine größere Distanz zu Vorgesetzten gegeben. Dann ist man entweder vorrangig mit Patienten beschäftigt oder sitzt hauptsächlich am Computer, tippt Befunde ab, schreibt Berichte, erledigt die Abrechnungen und koordiniert Termine.

Arzthelfer haben geregelte Arbeitszeiten. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten liegt bei über 50 Prozent. Überstunden, Nacht- und Wochenendarbeit sind untypisch. Falls sie doch vorkommen, gibt es laut Tarifvertrag Zuschläge (für Überstunden sowie für Samstags-, Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit, Arbeit am 24. und am 31.12. ab 12:00 Uhr).

Arzthelfer Gehalt

Das Gehalt als Arzthelfer (offiziell MFA) ist bundesweit tarifvertraglich geregelt. Demnach erhalten Vollzeitbeschäftigte ab dem 01.04.2019 zwischen 1.931,56 und 3.806,49 Euro brutto monatlich. Bei der Berechnung des genauen Gehalts spielen die Tätigkeitsgruppe (I-VI) und die Berufsjahre eine zentrale Rolle. Als Berufsanfänger kann man somit mit monatlich 1.932 Euro brutto rechnen. Für Teilzeitbeschäftigte gilt, dass sie pro Stunde das 1/167tel des jeweiligen Monatsgehalts für Vollzeitbeschäftigte ihrer Tätigkeitsgruppe erhalten. Für Berufsanfänger entspricht das 11,56 Euro.

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